Was unsere Gesellschaft zusammenhält - offene Diskussionsrunde mit Stanislaw Tillich in Kamenz
Im Rahmen der Reihe „KLARTEXT. informieren.diskutieren.mitgestalten.“ moderierte Prof. Gerald Svarovsky am 24. April 2010 in Kamenz eine offene Diskussionsrunde, an der u.a. der sächsische CDU- Landesvorsitzende und Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der Bautzener CDU- Kreisvorsitzende und Landrat Michael Harig teilnahmen.
Zum Nachdenken die folgenden Zeilen aus dem Eröffnungsreferat von Michael Harig:
„Unsere Gesellschaft war noch nie so reich wie in der heutigen Zeit ... aber so habgierig waren wir auch nie wie heute.
So viele Kleider und so volle Kleiderschränke hatten wie nie wie in der heutigen Zeit, aber so ausgezogen, so nackt, waren wir auch nie wie heute.
So viele verschiedene Gerichte und Menüs, so viele verschiedene Speisen – sind wir ehrlich – so satt waren wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so unersättlich waren wir nie wie heute.
So schöne und luxuriöse Häuser, so viele hoch technologisierte und komfortable Autos hatten wie nie wie in der heutigen Zeit, aber so unbehaust, so heimatlos, so gedankenlos, so bewegungslos waren wir nie wie heute.
So viele Versicherungsangebote und alle möglichen Versicherungsmöglichkeiten gab es nie wie in der heutigen Zeit, aber so unsicher waren wir nie wie heute.
So viele Freizeitangebote, Ausflugsmöglichkeiten und Gelegenheiten hatten wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so leer waren wir nie wie heute.
So viel materielle Fülle hatten wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so viel innere und geistige Leere hatten wir nie wie heute. So viel Freizeit hatten wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so eine gelangweilte und uninteressierte Gesellschaft hatten wir nie wie heute.
So viel Wissen und Studienmöglichkeiten hatten wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so viele, die Übersicht und Perspektive verlorene Menschen, hatten wir nie wie heute.
So viel gesehen und genossen haben wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so blind, innerlich und äußerlich, und so leer, waren wir nie wie heute.
So risikolos und frei haben wir nie gelebt wie in der heutigen Zeit, aber so isoliert und allein gelassen waren wir nie wie heute.
So viel Kommunikationsmöglichkeiten und Mittel hatten wir nie wie in der heutigen
Zeit, aber so viel Sprach- und Gefühllosigkeit hatten wir nie wie heute.
So eng beieinander haben die Menschen nie gelebt wie in der heutigen Zeit, aber so weit voneinander entfernt waren die Menschen nie wie heute.
So hoch entwickelt und modernisiert waren wir nie wie in der heutigen Zeit, aber so sehr am Ende waren wir nie wie heute.“


